Theorie der politischen Weltgeschichte nach dem Ende der Bibliotheksöffnungszeiten

Theorie der politischen Weltgeschichte nach dem Ende der Bibliotheksöffnungszeiten

an der Hauswand grenzt
das Licht an Schatten,
will sich jene klare
Grenze schaffen,

die die Distinktion
erlaubt. und wehte
da kein Wind und keine
Fahne drehte

sich in diesem, wäre
dem Betrachter
Klarheit wohl gegeben.
doch so wacht er

über einen wilden
Wandel, wissen
wollend, worum es sich
handelt; messen

wollend, was sich ändert,
wenn die Zeit verstreicht,
Sonne Mond und Sternen weicht,
für manches keine sprache reicht –

bei Gelegenheit #2

bei Gelegenheit #2

ein Hut auf der Bühne
brummend Wahrheiten
oder das, was
der Moment als diese erkennt.

es schummert
in mir, um mich,
bis ich erniedrigt
wieder liebe,
generell.

ab morgen der Anstand in Anzug, Krawatte, mit Hut?

Haltepunkte in Selbstbildern von außen

Vom Wert des Bahnfahrens

Vom Wert des Bahnfahrens

Dich nicht zu kennen, ist der Wert,
den unser Treffen mir für später bietet,
wenn ich am Fenster meinen Blick
gen Wolken richte und mich vergewisser‘,

dass mein Träumen mir noch dient,
um mich und meine Kreise zu durchbrechen.
Plötzlich gibt ein Weg sich frei,
den wir uns an den Händen haltend gehen.

Und wie ich dir in deine Augen
blicke, steigert sich die Harmonie
in mir, an die ich hierjetzt glauben
will und die mir deutlich zeiget, wie

der kleine Wandel in mir um mich
Funken schlägt und wirbelt, wärmend Glanz
erzeugt und Kraft erfordert, um nicht
mit dir aus der Bahn in Träume ganz

zu sinken und den Grund zu finden,
der mich einem Anker gleichend hielt‘.
Langsam kehre ich mich windend
zurück zu Wolken, die die Nacht durchbricht.

Dich nicht zu kennen, bietet Schutz,
nicht zu entgleisen. Doch nährst du, wenn ich hungrig
mich vor Leere fühle. Dich
nicht zu kennen, lässt mich weiter reisen.

Weltaneignung

Weltaneignung

Ein flacher Tisch, umringt von schwarzen Sesseln
und dem roten Sofa, dessen Fesseln
vorne auf den grünen Teppich zielen.
Ein Schrank aus Eiche auf den Birkendielen.

Ein Mann mit weißen Haaren sitzt versunken
vor dem Glas, aus dem er just getrunken,
eine Frau verharrt in ihrer Geste
und ein Mädchen liest, ist mir die Nächste.

So geht es, wenn du einen Raum betrittst.
Mit der Sekunde wird ein jedes Ding
sogleich zum Deinen, erhält ein jedes Ding

sogleich von deinem Meinen seinen Sinn
und jeder Mensch genauso seinen Sinn,
in den du ihn mit deinem Denken drückst.

Warum ich keine Gedichte mehr schreibe oder: Die Langeweile der Möglichkeit

Warum ich keine Gedichte mehr schreibe oder: Die Langeweile der Möglichkeit
 

Als hoffnungsfroher junger Mann, der ich in den Augen mancher (alternde Gesellschaft!) vielleicht sogar noch sein mag, schrieb ich eine ganz ansehnliche Zahl von Gedichten. Ich möchte behaupten, dass diese auch von einer Qualität waren, die Liebhaber zu schätzen gewusst hätten. Diese Liebhaber habe ich mit meinen Gedichten jedoch nie erreicht, mich darum auch nicht sonderlich bemüht, wie ich gestehen muss – war ich selbst mir doch meistens Publikum genug. Warum ich letztlich aufgehört habe, Gedichte zu schreiben, ist keine einfache Frage. Es gibt nämlich keine klare Antwort darauf, wissen Sie? Es gibt da nur ein diffuses Sammelsurium an Scheinbegründungen und einen Kern, an dem wir alle tagtäglich nicht vorbei können. Um diesen Kern geht es mir.

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Weltenbrand

Weltenbrand
 
cui bono? und warum
nicht ich?
eine Leitsatzfrage der
potentiell pragmatischen Prototypperson der Postmoderne, die
nur zu gerne
einen letzten Grund
über den Vorteil hinaus hätte,
der ja leider vielfältig
ausfallen kann.
 
der einfachste Weg,
die Verantwortung,
die Resignation.
ich nehme, was ich kann,
und ich kann, dass ich nehme,
nur noch als Weiter verstehen
und ich sehne
mich nach Halt, den ich
mir reimend noch suggeriere,
weil dieser Funken in mir
sein Glimmen nicht lässt.