Vom Phaeton und anderen Epigonen

und als wir dem letzten der
fossilen Automobile einen
hochtrabenden Namen gegeben hatten,
erblickten wir unsere wahren Götter;

noch unsicher, ob Phöbus uns Rettung
oder den Brand versprach,
als er hitzig nickte,
kehrten wir ans Reißbrett zurück.

Fjodor Dostojewski: Böse Geister

Es folgt eine fast neunhundert Seiten und verschiedene Figuren umfassende Collage, die sich wunderbar als Stoßgebet in schweren Stunden eignen mag:

Volle Freiheit wird dann sein, wenn es egal ist, leben oder nicht leben. Das ist das Ziel von allem!

[…]

Wem es egal sein wird, leben oder nicht leben, der ist der neue Mensch. Wer Schmerz und Angst überwindet, der wird selbst Gott sein. Und der andere Gott wird nicht sein.

[…]

Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, daß er glücklich ist; nur deshalb.

[…]

Jede außerordentlich schmähliche, maßlos erniedrigende, niederträchtige und vor allem lächerliche Lage, in die ich in meinem Leben geriet, erregte in mir außer einem maßlosen Zorn auch ein unmäßiges Lustgefühl.

[…]

Die Überzeugungen und der Mensch – das sind, glaube ich, zwei in vieler Beziehung verschiedene Dinge.

[…]

Ich kann immer noch, wie früher, wünschen, Gutes zu tun, und empfinde dabei Vergnügen; unmittelbar darauf wünsche ich auch Böses und empfinde ebenso Vergnügen.

Aus: Fjodor Dostojewski: Böse Geister. Aus dem Russischen von Swetlana Geier. Frankfurt am Main 2000, S. 151, 152, 313, 572, 812, 928.

Don’t believe the hype!

Oder: „Was bin ich?“ mit Malte Laurids Brigge.

So, also hierher kommen die Leute, um zu leben, ich würde eher meinen, es stürbe sich hier.
Rainer Maria Rilke: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge. Herausgegeben und kommentiert von Manfred Engel, Stuttgart 1997, S. 8.

Und wer nach diesem sensationellen ersten Satz nicht sofort den Drang verspürt, das ganze Ding von vorne bis hinten inklusive verschiedener Fassungen zu inhalieren, dem kann ich auch nicht helfen. Versuche es aber trotzdem:

[…]
Ist es möglich, daß es Leute giebt, die ‚Gott‘ sagen und meinen, das wäre etwas Gemeinsames? – Und sieh nur zwei Schulkinder: es kauft sich der eine ein Messer, und sein Nachbar kauft sich ein ganz gleiches am selben Tag. Und sie zeigen einander nach einer Woche die beiden Messer, und es ergiebt sich, daß sie sich nur noch ganz entfernt ähnlich sehen, – so verschieden haben sie sich in verschiedenen Händen entwickelt. (Ja, sagt des einen Mutter dazu: wenn ihr auch gleich immer alles abnutzen müßt. -)  Ach so: ISt es möglich, zu glauben, man könne einen Gott haben, ohne ihn zu gebrauchen?
Ja, es ist möglich.
Wenn aber dieses alles möglich ist, auch nur einen Schein von Möglichkeit hat, – dann muß ja, um alles in der Welt, etwas geschehen. Der Nächstbester, der, welcher diesen beunruhigenden Gedanken gehabt hat, muß anfangen etwas von dem Versäumten zu tun; wenn es auch nur irgend einer ist, durchaus nicht der Geeignetste: es ist eben kein anderer da. Dieser junge, belanglose Ausländer, Brigge, wird sich fünf Treppen hoch hinsetzen müssen und schreiben, Tag und Nacht: ja er wird schreiben müssen. Das wird das Ende sein.
Ebd., S. 23-24.