Sehend sehen wir umsonst, hören hörend nicht.

Diese beiden, meine Augen, gleichen
denen, die die andern Säuger tragen,
um die Welt mit ihnen zu befragen.
Auch dem Vogel könnten sie wohl reichen.

Ähnlich halten dieses meine Ohren,
die den Klang der Welt tief in mich tragen.
Doch will ich die Welt einmal befragen,
bin ich ohne Denkkraftakt verloren.

Gut und Böse aus der Welt der Tiere
in der Brust, den Geist als Spuk im Haupte:
Kopflos bin ich, fass ich mir ein Herz.

Ist gestattet, dass ich inquiriere,
wüsst ich gern, weshalb Zeus-Zausel glaubte,
uns hier fehle noch sein Büchsenscherz.

Zu Besuch

Zu Besuch

Im Winkel, auf dem Bord, dem Ledersofa
zur Seite sich gesellend, arrangiert
im schwarzen Rahmen nun auch sein Portrait
sich mit den andern. Dort, gleich neben Opa.

Und aus der Stube an den Esstisch. Schnittlauch
auf Bergen von Kartoffeln. Ich mocht es
ja immer schon, wie du ja sicher weißt.

Und klar kann jeder Salz ham, wenner noch brauch.

Den Sekt in meinem Glase starr ich warm,
ich frage Nichten, wie die Ferien warn,
hör kaum, wohin mein Neffe wieder flog.

Beim Gong der Stehuhr vorm Dessert verwundert,
wie das nur möglich ist; dass über hundert
Mal nicht er an den Gewichten zog.

Weltaneignung

Weltaneignung

Ein flacher Tisch, umringt von schwarzen Sesseln
und dem roten Sofa, dessen Fesseln
vorne auf den grünen Teppich zielen.
Ein Schrank aus Eiche auf den Birkendielen.

Ein Mann mit weißen Haaren sitzt versunken
vor dem Glas, aus dem er just getrunken,
eine Frau verharrt in ihrer Geste
und ein Mädchen liest, ist mir die Nächste.

So geht es, wenn du einen Raum betrittst.
Mit der Sekunde wird ein jedes Ding
sogleich zum Deinen, erhält ein jedes Ding

sogleich von deinem Meinen seinen Sinn
und jeder Mensch genauso seinen Sinn,
in den du ihn mit deinem Denken drückst.

Sonett eines schlaflosen Lyrikers, geschrieben nach einer langen Nacht guten Schlafes von einem anderen.

Sonett eines schlaflosen Lyrikers, geschrieben nach einer langen Nacht guten Schlafes von einem anderen.

gesenkter Blick – warum sollt ich ihn heben:
die Straße grau, die Häuser grau, der Himmel
noch grauer fast, mein ich. zwar ein Gewimmel
um mich her, doch die Menschen… grau erregend.

gesenkter Blick – die Augen möcht ich schließen:
nur hin zum Schlaf, ins Reich des Traums, in Morpheus‘
grad jüngst zu oft verschmähte Arme. wach dreut’s
mir alles zu entgleiten. denn genießen

kann man auf jeden Fall erbärmlich wenig
von den Ergüssen, die mir mühsam sämig
aus meiner Feder tropfen. ganz egal

wie viele sich auf diesen Freud berufend
dereinst dann eine Theorie sich suchen,
den Autor zu ergründen: war’s doch Wahl…

Warum schreiben

Warum schreiben

Lass die gold’nen Zeiten aufmarschieren,
die ein so bewusster Rhythmus führet,
dass – beim Klang der Schritte schon gerühret –
jedes Haupt sich dreht und wiegt. Vibrieren

soll in allen Köpfen Tritt der neuen
Richtung, die wir schlagen. Lass darum sie
auch die Banderolen seh’n. Warum die
noch verstecken? Soll ihr Weh’n doch freuen!

Ein Zurück sei uns ein Vor ab heute,
wenn es dieses Glückes Glocke läute:
Menschsein, das aus Sprache dir sich nähert.

Präge dir selbst Münzen noch im Schaffen:
Denke nur im Werk daran, zu lassen,
weil’s aus jedem dichten Wort dich nähret.