Fjodor Dostojewski: Böse Geister

Es folgt eine fast neunhundert Seiten und verschiedene Figuren umfassende Collage, die sich wunderbar als Stoßgebet in schweren Stunden eignen mag:

Volle Freiheit wird dann sein, wenn es egal ist, leben oder nicht leben. Das ist das Ziel von allem!

[…]

Wem es egal sein wird, leben oder nicht leben, der ist der neue Mensch. Wer Schmerz und Angst überwindet, der wird selbst Gott sein. Und der andere Gott wird nicht sein.

[…]

Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, daß er glücklich ist; nur deshalb.

[…]

Jede außerordentlich schmähliche, maßlos erniedrigende, niederträchtige und vor allem lächerliche Lage, in die ich in meinem Leben geriet, erregte in mir außer einem maßlosen Zorn auch ein unmäßiges Lustgefühl.

[…]

Die Überzeugungen und der Mensch – das sind, glaube ich, zwei in vieler Beziehung verschiedene Dinge.

[…]

Ich kann immer noch, wie früher, wünschen, Gutes zu tun, und empfinde dabei Vergnügen; unmittelbar darauf wünsche ich auch Böses und empfinde ebenso Vergnügen.

Aus: Fjodor Dostojewski: Böse Geister. Aus dem Russischen von Swetlana Geier. Frankfurt am Main 2000, S. 151, 152, 313, 572, 812, 928.

Morgen, morgen wird alles ein Ende haben!

Wenn ich mich auf einen einzigen Autor festlegen müsste, den ich am liebsten lese und gelesen habe, die Wahl fiele wohl mit einiger Sicherheit auf Fjodor Dostojewskij. Mein Liebling von ihm ist und bleibt zwar Der Idiot, nichtsdestoweniger hatte ich mit Der Spieler von 1866 – kurz nach Verbrechen und Strafe (Schuld und Sühne) – meine helle Freude. Doch wen interessiert mein Geschwafel über die Darstellung der Spielsucht und die Parallelen von Glücksspiel und Leben? Getreu dem Motto dieser Kategorie also hier meine handverlesenen Bonmots aus Der Spieler:

„In letzter Zeit war es mit ungemein zuwider, meinem Handeln oder Denken einen moralischen Maßstab anzulegen. Es war etwas anderes, was mich bestimmte …“
Fjodor Dostojewski: Der Spieler. (Aus den Aufzeichnungen eines jungen Mannes.) Aus dem Russischen von Swetlana Geier, Frankfurt am Main 2011, S. 24-25.

„‚Ich bitte Sie‘, […], ‚wirklich, es steht doch noch gar nicht fest, was schlimmer ist, russisches Chaos oder die deutsche Methode des Kapitalerwerbs durch anständige Arbeit.'“
Ebd., S. 39.

„‚[…] Sie fragen: Wozu brauchen Sie Geld? Was heißt, wozu? Geld – das ist alles!'“
Ebd., S. 47.

Und zum Abschluss der krönende letzte Satz des Romans, der nicht nur für Spielsüchtige, sondern auch für gequälte Dauer-Prüflinge im Examen gilt:

„Morgen, morgen wird alles ein Ende haben!“
Ebd., S. 219.

Nur, dass es für mich nicht zutrifft. Noch nicht. Und bis dahin gilt: Morgen, morgen werde ich anfangen!