Erwachen

Erwachen

Vögel zwitschern in den Kronen
grüner Bäume, die mich lohnen
mit Gefühl des Frühlingsdranges,
jenem Locken süßen Sanges.

Grün wallt ringsum auch in Städten,
will mit mir auf Zeiten wetten,
die den Menschen überdauern
und mit Ranken größte Mauern

noch bedecken. Ich verharre.
Seh mich um und meine Starre,
denk das Walten größrer Mächte:
Was mein Wort der Welt wohl brächte?

verfahren

verfahren

gott ist tot
doch wir
wir leben wohl noch immer
die latenz ist verloren

ich schreibe gedichte
du denkmalst dich anders
einer wird erinnert
anderer nicht
wir bleiben ohne
die latenz verloren

es gibt verfahren
doch was, wenn der schleier
sich lüftet?
frag deine adams
die latenz ist verloren

was hält?
gewalt als die
waffe der wahl und der
leidende mensch als
grund?

und von zeit zu
zeit bejubele ich die
zeit, die mir
das vertrauen
neu schenkt
wenn ich es will
wenn ich es will

ach
du welt
der handlungsressourcen

ausrichtungwort

ausrichtungwort

zeit ohne worte
unnahbar heute
alles vermittelt

alles vermittels
etwas anderem

und dieses andre
immer anders

in der wiederholung
eine wieder-holung?

alles täuscht
in seinem tausch,
der die austauschbarkeit
zeigt: trist verzweigt
als baum, der schweigt.
was ist das?
geformt, verformt–
reformen des verlusts.

doch lust, ja lust,
ab und an.
nur hedonistisch, klingt es dann

und dieser klang
klangt meine suche
nach der form,
die sich nähert,
es formt, noch einmal,
einmal noch

ich richte mich
ein
bisschen
ein.

nichts zu haben/wissen/können – was war, zu glauben/lachen/preisen

nichts zu haben/wissen/können – was war, zu glauben/lachen/preisen

hinter manchen Ecken rauchten kleine
Revolutionen. doch uns kümmerten schon die
großen Ideen wenig. schmunzelnd eine
Überlegenheit ahnend ließen wir sie

einfach. uns alltäglich unterhaltend
über Gleiches mit den Gleichen, übten
an bekanntem Ort wir uns verwaltend.
kaum mal Dinge waren, die betrübten.

ja, wie wir damals unsre Runden drehten
und unsre Spuren in den Staube drückten,
dachten wir kaum an die schon verwehten.

zeitlos, dieses auf dem Schulhof Kreisen:
gewiss sich seiner und der neuen Weisen –
bis wir mit den Jahren uns entrückten.

zusprechen

zusprechen

wir wägen das
Unwegsame mit Wörtern
hin und her.
wortlos ist das,
alles los der Worte,
unser Los der Wörter.

ein wenig Orakeln
stützen wir auf das,
was war und damals
wahr war.

wir wahren die Waren
in neuen Verfahren,
die als Partizip schon
ihre eigene Erneuerung
verlangen.

und wer erneuert den,
der – auf seine Weise? –
schon gemenscht hat?
nichts angelegt in der Sprache,
der Ausweg verschlossen ganz offen
oder nur offen verschlossen.
vielleicht ist das Freiheit?

mein Fanal?

mein Fanal?

alles so banal,
nicht?
mit jedem Ruck
rücke ich näher
ans unverrückbar
ungesehen Unverstehen.

ein paar Neologismen
strample ich der
Neonnacht und der
Schaffenspracht,
die Tage macht,
vielleicht noch ab.
und sehe doch nur
den Wandel der
Zeiten, Gezeiten, Weiten, Breiten, Heiterkeiten,
die mich als letztes System
immer bestimmen.

wir schleiern in Reime
und andere Formen
ein schmerzendes Unvermögen,
das vor jedem Kapital stand.

vielleicht noch als Segen.