Schauspiele und Romanen eröffnen uns die glänzendsten Züge des menschlichen Herzens; unsre Phantasie wird entzündet; unser Herz bleibt kalt; wenigstens ist die Glut, worein es auf diese Weise versetzt wird, nur augenblicklich und erfriert fürs praktische Leben. In dem nämlichen Augenblick, da uns die schmucklose Gutherzigkeit des ehrlichen Puffs bis beinahe zu Tränen rührt, zanken wir vielleicht einen anklopfenden Bettler mit Ungestüm ab. Wer weiß, ob nicht eben diese gekünstelte Existenz in einer idealischen Welt unsre Existenz in der wirklichen untergräbt? Wir schweben hier gleichsam um die zwei äußersten Enden der Moralität, Engel und Teufel, und die Mitte – den Menschen – lassen wir liegen.
(Friedrich Schiller: Eine großmütige Handlung. Aus der neuesten Geschichte. In: Ders.: Der Verbrecher aus verlorener Ehre und andere Erzählungen, Stuttgart 1999, S. 34.)
Blaupausen
Blaupausen
den Unrat beherzigt
dem Leben ein Kreuz geschlagen
Schachbrettmuster auf dem Bahnsteig
Zug um Zug ermatte ich
die Uhr schon zu weit voraus
verzweigt gezeitigt in der Metropole
das Gros der Stadt ergraut hin zu wärmeren Nächten
und mich hält kühle Gruft
durch die Betriebspause
nivellierende Novalisierung
nivellierende Novalisierung
schon gewesen, nie gewesen
im Wald gefunden
auf der Flur
dem Flur
zur Halle, zur Halle!
Versuch, Sterne zu sehen
mit Kopfstoß an der Leuchtreklame
ja, ich weine, ja ich warne
seht mich leiden
lasst mich
lasst mich so sein
Last sein! Last sein!
solange keine Sterne stehen
nein, ich bleibe
es ging um mich (alt.)
es ging um mich (alt.)
graffiti schon in pompeji,
lachtest du aus augenwinkeln
über knochenschulter.
mit blümchen-scheibenwischerblätter-buketts
an rostigen autos
prahlte ich.
und im wind die sackgasse hinauf lockte straßenecke.
es ging um mich
es ging um mich
schon in pompeji hätten sie
graffiti gehabt, lachtest du
über deine knochige schulter
aus dem augenwinkel herüber.
dass ich gern bunte blümchen mit den
scheibenwischerblättern rostiger
autos zu ‘nem bukett zusammenstecke,
suchte auch ich, eindruck zu schinden.
und von der straßenecke kam
verlockung die sackgasse hinauf geweht.
Lebenserhalt
Lebenserhalt
hast du dich noch beisammen?
ich halte gerade noch
den Rand,
der Rest
wirbelt umher und nicht von
ungefähr
falle ich, falle in Arme,
deine Arme halten mich zwar
irgendwann und so davon ab, aber
meine Grauheiten habe ich da
schon ausgeteilt und mich
so ausgefeilt aufgegeilt
an der Leere,
die ich in starken wie
schwachen
Momenten verehre.
mal ausgesaugt,
mal füllend,
aber stets nach
Zusammenhalt
fühlend.
an die Heimat
an die Heimat
der Zielgruppe
ins Gesicht.
denn es fällt
ins Gewicht,
wer mich liest
und wer nicht.
in bedorfte Wälder der Vorstadt
ein Haltesignal:
haltet inne und mich,
der ich zu verrauschen
beginne inner Stadt
und im Drang des Wandels
aller Orten, der auch euch
schon verfasst.
o, verpasst nicht
ein Haltesignal.