Weltenbrand

Weltenbrand
 
cui bono? und warum
nicht ich?
eine Leitsatzfrage der
potentiell pragmatischen Prototypperson der Postmoderne, die
nur zu gerne
einen letzten Grund
über den Vorteil hinaus hätte,
der ja leider vielfältig
ausfallen kann.
 
der einfachste Weg,
die Verantwortung,
die Resignation.
ich nehme, was ich kann,
und ich kann, dass ich nehme,
nur noch als Weiter verstehen
und ich sehne
mich nach Halt, den ich
mir reimend noch suggeriere,
weil dieser Funken in mir
sein Glimmen nicht lässt.

im Scheingeschäft

im Scheingeschäft

ich lese nur noch Bücher über Bücher
und führe ein Blog. aus meinem Kellerloch
heraus – und ja, das wär's.

ich weiß, dass es Sauerstoff heißt,
und doch bleibt mir die Luft
zum Atmen
weiter weg,
je näher
ich den
kleinsten
Teilen
komme.

Staunen ist mir Unwohlsein –
ich bin ein Zaungast,
den die Fäden in die Finger
schneiden, wenn das Verstricktsein
an ihm zerrt.
doch ich lade keine Freunde mehr
in meine Sitcom ein,
die, als du gingst, zum Drama kippte
und jegliches Gespür mir nahm.

die doppelten Böden
sind nur
für's Weiter gut.

letzte Rodung

letzte Rodung

das Fenster als Weg,
wenn die Mündigkeit
sich müde gesiegt
hat –
die Dunkelheit gibt
die Illusion frei, dass dort
wilde Natürlichkeit liegt
und die Kreatürlichkeit schiebt
sich magiegläubig vor.

wie war noch gleich
dieses eine Wort
aus dem romantischen Hort-
fund im Regal,
das wieder alles vereint
und mich dann vermeintlich befreit?

wo Licht und Schatten sich gatten,
steht ein Mensch und spricht.

Fallen

Fallen

wie man sich bettet,
so liegt man
und ich mich
allmählich
wund.
worauf man nicht wettet,
das liebt man
in Welt ohne
letztgültigen
Grund.
doch wenn ich mich rege,
dann schmerzt es
und ich wüsste
so manches
Warum.
und wenn ich mich lege,
dann kehrt es
von außen
nach innen
sich um.

aber dann sind da Momente,
in denen ich selig mich find’ –
nur, wäre ich wach, dann erkennte
ich schlafend den Schwindel darin.
so egal, wie ich mich wende
und niemals Entscheidung entrinn’.
im Fallen noch nimmt es kein Ende:
die Falle im fallenden Sinn.

im Weiteren modal

im Weiteren modal

die poetologische Qualität
ist standardisiert worden
lange bevor unsere
Geburt uns Neues versprach.

mit diesem Versprechen
beladen brachen wir zur
Erleichterung Verse übers
Knie oder erbrachen wir sie?

ich verkürze mein Essay,
schraube hier und da,
teile Verse und Strophen
wie andere Wasser –

und? und will unbedingt
zeigen, dass man noch kann;
im Möchten, Wollen, Sollen;
Dürfen, Müssen und Nicht-brauchen:

es wird.

vom linguistic turn gedreht

vom linguistic turn gedreht

beschwindelt habe ich
dummes Strampeln versucht,
bevor ich meinen
Zugang zur Welt
zu beschweigen begann.

einen Moment hielt ich
das für einen klugen
Gedanken, den ich
da habe, bis mir
die Folgen

mit Mühe: von der Möglichkeit zu dichten

mit Mühe: von der Möglichkeit zu dichten

die Dichtung lebt,
so lange sie sich glaubt,
auf einer ihrer Eb’nen
die Wahrheit zu berühr’n

und reimend klebt
sie in deinem Haupt
und will dir neu begegnen,
um dich letztlich zu verführ’n.

und ich? ich dichte
mir Geniekult an
in jedem Umbruch,
den ich mache
und hoffe doch, dass
eines Tages man
das hält für
eine runde Sache.