Sie selbst aber sind sich die größte Plage.

Sie, ja Sie, ich höre Ihr
o tempora o mores
richtig, richtig, ganz genau,
ich stimme zu: o mores!

Die Zeit, in der wir leben, ist
tatsächlich sittlich roh.
Das Können, das man nutzen könnt,
bleibt ungenutzt und so

verändert nichts sich niemals hier –
was, wie? Der Andre sei
der Freiheit Feind und Grund drum der
Misere? Sollt ich frei

mich äußern dürfen, meint ich ehr,
die größre Plage sei
das Ich, das freudlich an mir zerrt
und zieht und niemals frei

mich in der Welt belassen will.
Wen wundert da, wenn auch
mein Handeln zwanghaft ist und sich
stets sehnt nach einem Rausch.

Weltenbrand

Weltenbrand
 
cui bono? und warum
nicht ich?
eine Leitsatzfrage der
potentiell pragmatischen Prototypperson der Postmoderne, die
nur zu gerne
einen letzten Grund
über den Vorteil hinaus hätte,
der ja leider vielfältig
ausfallen kann.
 
der einfachste Weg,
die Verantwortung,
die Resignation.
ich nehme, was ich kann,
und ich kann, dass ich nehme,
nur noch als Weiter verstehen
und ich sehne
mich nach Halt, den ich
mir reimend noch suggeriere,
weil dieser Funken in mir
sein Glimmen nicht lässt.

Fragmente aus Notizen einer Zeit fragmentierender Gesamtdarstellungen. Oder: Eine Ade (Ode ade)

Fragmente aus Notizen einer Zeit fragmentierender Gesamtdarstellungen. Oder: Eine Ade (Ode ade)

Postmoderne,
ach, wie gerne
glaubte ich,
du wärst Chimäre
und ich fände
neuen Halt.

doch halt!

Prost, Moderne,
auf die Wärme
deines Herds,
auch wenn du
deinen Schwung
verlierst in all den
neuen Windungen und
Verwickelungen.

denn eines noch,
bevor ich es vergess,
erst neulich da
erreichte mich ein Brief:
ein alter Freund,
der schrieb:
„modernes war
schon immer
post.“