vom linguistic turn gedreht

vom linguistic turn gedreht

beschwindelt habe ich
dummes Strampeln versucht,
bevor ich meinen
Zugang zur Welt
zu beschweigen begann.

einen Moment hielt ich
das für einen klugen
Gedanken, den ich
da habe, bis mir
die Folgen

mit Mühe: von der Möglichkeit zu dichten

mit Mühe: von der Möglichkeit zu dichten

die Dichtung lebt,
so lange sie sich glaubt,
auf einer ihrer Eb’nen
die Wahrheit zu berühr’n

und reimend klebt
sie in deinem Haupt
und will dir neu begegnen,
um dich letztlich zu verführ’n.

und ich? ich dichte
mir Geniekult an
in jedem Umbruch,
den ich mache
und hoffe doch, dass
eines Tages man
das hält für
eine runde Sache.

Morgen, morgen wird alles ein Ende haben!

Wenn ich mich auf einen einzigen Autor festlegen müsste, den ich am liebsten lese und gelesen habe, die Wahl fiele wohl mit einiger Sicherheit auf Fjodor Dostojewskij. Mein Liebling von ihm ist und bleibt zwar Der Idiot, nichtsdestoweniger hatte ich mit Der Spieler von 1866 – kurz nach Verbrechen und Strafe (Schuld und Sühne) – meine helle Freude. Doch wen interessiert mein Geschwafel über die Darstellung der Spielsucht und die Parallelen von Glücksspiel und Leben? Getreu dem Motto dieser Kategorie also hier meine handverlesenen Bonmots aus Der Spieler:

“In letzter Zeit war es mit ungemein zuwider, meinem Handeln oder Denken einen moralischen Maßstab anzulegen. Es war etwas anderes, was mich bestimmte …”
Fjodor Dostojewski: Der Spieler. (Aus den Aufzeichnungen eines jungen Mannes.) Aus dem Russischen von Swetlana Geier, Frankfurt am Main 2011, S. 24-25.

“‘Ich bitte Sie’, […], ‘wirklich, es steht doch noch gar nicht fest, was schlimmer ist, russisches Chaos oder die deutsche Methode des Kapitalerwerbs durch anständige Arbeit.'”
Ebd., S. 39.

“‘[…] Sie fragen: Wozu brauchen Sie Geld? Was heißt, wozu? Geld – das ist alles!'”
Ebd., S. 47.

Und zum Abschluss der krönende letzte Satz des Romans, der nicht nur für Spielsüchtige, sondern auch für gequälte Dauer-Prüflinge im Examen gilt:

“Morgen, morgen wird alles ein Ende haben!”
Ebd., S. 219.

Nur, dass es für mich nicht zutrifft. Noch nicht. Und bis dahin gilt: Morgen, morgen werde ich anfangen!

Fragmente aus Notizen einer Zeit fragmentierender Gesamtdarstellungen. Oder: Eine Ade (Ode ade)

Fragmente aus Notizen einer Zeit fragmentierender Gesamtdarstellungen. Oder: Eine Ade (Ode ade)

Postmoderne,
ach, wie gerne
glaubte ich,
du wärst Chimäre
und ich fände
neuen Halt.

doch halt!

Prost, Moderne,
auf die Wärme
deines Herds,
auch wenn du
deinen Schwung
verlierst in all den
neuen Windungen und
Verwickelungen.

denn eines noch,
bevor ich es vergess,
erst neulich da
erreichte mich ein Brief:
ein alter Freund,
der schrieb:
“modernes war
schon immer
post.”

gewichtsverlagerung

gewichtsverlagerung

der kran steht unbewegt im licht der
sinkenden wintersonne und ich denke dass
das kein bild der wonne ist und gerade
deshalb als solches fruchtbar sein könnte
wenn ich ein gedicht schriebe über diesen
weißen kran und seine ungleichen schwingen
und wie ihn gewichte am boden im gleich-
gewicht halten, so dass sein haupt die
sonne o wonne so lange als möglich spürt

und ich will wurzeln
schlagen um nicht
auf glatten waldböden
zu taumeln
und ich will wurzeln
schlagen weil keine
waldböden glatt sind

doch noch, och

doch noch, och

als programatik zu schwammig,
bedenkeswert doch,
momente lang schwank ich
und entscheide dann doch.

im geiste
mein noch.

das emblematische “kann ich?”
besteht immer noch,
selbst wenn antwort aufs “wann ich?”
mich kurz atmen lässt.

im geiste
ein doch.