bei Gelegenheit #1
du sagst, du
bewunderst, wie
ich ohne Urteil
zuhöre und
ich scheine mir
so ein Heiliger
zu sein.
später denke ich,
wie wenig mich alles
berührt und habe
ganz kurz ein
schlechtes Gewissen.
bei Gelegenheit #1
du sagst, du
bewunderst, wie
ich ohne Urteil
zuhöre und
ich scheine mir
so ein Heiliger
zu sein.
später denke ich,
wie wenig mich alles
berührt und habe
ganz kurz ein
schlechtes Gewissen.
Vom Wert des Bahnfahrens
Dich nicht zu kennen, ist der Wert,
den unser Treffen mir für später bietet,
wenn ich am Fenster meinen Blick
gen Wolken richte und mich vergewisser’,
dass mein Träumen mir noch dient,
um mich und meine Kreise zu durchbrechen.
Plötzlich gibt ein Weg sich frei,
den wir uns an den Händen haltend gehen.
Und wie ich dir in deine Augen
blicke, steigert sich die Harmonie
in mir, an die ich hierjetzt glauben
will und die mir deutlich zeiget, wie
der kleine Wandel in mir um mich
Funken schlägt und wirbelt, wärmend Glanz
erzeugt und Kraft erfordert, um nicht
mit dir aus der Bahn in Träume ganz
zu sinken und den Grund zu finden,
der mich einem Anker gleichend hielt’.
Langsam kehre ich mich windend
zurück zu Wolken, die die Nacht durchbricht.
Dich nicht zu kennen, bietet Schutz,
nicht zu entgleisen. Doch nährst du, wenn ich hungrig
mich vor Leere fühle. Dich
nicht zu kennen, lässt mich weiter reisen.
Weltaneignung
Ein flacher Tisch, umringt von schwarzen Sesseln
und dem roten Sofa, dessen Fesseln
vorne auf den grünen Teppich zielen.
Ein Schrank aus Eiche auf den Birkendielen.
Ein Mann mit weißen Haaren sitzt versunken
vor dem Glas, aus dem er just getrunken,
eine Frau verharrt in ihrer Geste
und ein Mädchen liest, ist mir die Nächste.
So geht es, wenn du einen Raum betrittst.
Mit der Sekunde wird ein jedes Ding
sogleich zum Deinen, erhält ein jedes Ding
sogleich von deinem Meinen seinen Sinn
und jeder Mensch genauso seinen Sinn,
in den du ihn mit deinem Denken drückst.
formgebung
sich selbst identisch
schöner traum
und du moment
kehrst du zurück?
mein geist verrenkt sich
schwere not
zu hoch die see
kehrst du zurück?
mir schwant ich irre
auf dem weg
des worts umher
gar gänzlich gar.
passt nun die möwe
als symbol?
es lässt mich wohl
in jedem fall
ihr ton zurück.
hüben wie drüben
sophokles war nicht
der erste, der ein drama
über ödip schrieb.
mit mythen jonglieren
bleibt zirkus.
o du lieber
augustin.
augustin, augustin,
wo trag ich meine
fackel hin?
ich warte,
ein prometheus.
laufzeitverlängerung
vierjähriger
verdrossenheitsturnus
don't you want somebody to love?
deutschmathebioenglisch
in schulen geschult
und vor mir spule ich
tonbänder mit den fingern
meine technik der technik
von gestern
don't you need
verbraucht alles öl
verbraucht alles brauchen
somebody to love?
dein lächeln im eis
die risse im teich
schneeengel hinter uns
flügge am boden
don't you?
flüge am boden
don't you?
der versuchen-wirs-turnus
verklingender stimmen
energiebildung
als beispiel von vielen
die mir gefielen
you better find …
Warum ich keine Gedichte mehr schreibe oder: Die Langeweile der Möglichkeit
Als hoffnungsfroher junger Mann, der ich in den Augen mancher (alternde Gesellschaft!) vielleicht sogar noch sein mag, schrieb ich eine ganz ansehnliche Zahl von Gedichten. Ich möchte behaupten, dass diese auch von einer Qualität waren, die Liebhaber zu schätzen gewusst hätten. Diese Liebhaber habe ich mit meinen Gedichten jedoch nie erreicht, mich darum auch nicht sonderlich bemüht, wie ich gestehen muss – war ich selbst mir doch meistens Publikum genug. Warum ich letztlich aufgehört habe, Gedichte zu schreiben, ist keine einfache Frage. Es gibt nämlich keine klare Antwort darauf, wissen Sie? Es gibt da nur ein diffuses Sammelsurium an Scheinbegründungen und einen Kern, an dem wir alle tagtäglich nicht vorbei können. Um diesen Kern geht es mir.
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